21:15 [Internetzeitung Jürgen Meyer]
Nachdem Leiharbeiter nicht mehr deutlich weniger Lohn bekommen als die Fest-Angestellten, benutzen viele Firmen jetzt ein neues Billiglohnkonzept.
Ehemalige Leiharbeiter werden wie jetzt bei Siemens kurz vor der geplanten Überhahme als Festangestellte in Werkverträgen ausgegliedert bzw. outgesourced.
Leiharbeiter sollen künftig den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit bekommen. Und schon beschreiten viele Unternehmer neue Wege, um das zu verhindern. Auf einer Tagung diskutiert ein Universitäts-Institut der Universität München namens ZAAR und dort wird das neue Billiglohn-Modell propagiert.
Thema der Tagung : "Alternativen zur regulierten Zeitarbeit". Auf der Gästeliste das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft. Von B wie "Bosch" bis S wie "Siemens". Herzstück des neuen Modells ist die Kombination des so genannten Werkvertrags mit Leiharbeit. Die lukrativen Vorteile dieses Modells gegenüber der herkömmlichen Leiharbeit werden klar benannt. Kein equal pay! Das bedeutet, dass bei Werkverträgen das Unternehmen keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlen muß. Es gibt kein Informationspflicht und der Betriebsrat bleibt ohnmächtig. Es gibt keine Begrenzung des Kündigungsrechts. Dieses Institut gehört zu der juristischen Fakultät der Uni München : Das "ZAAR", das Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht. Getragen wird das gesamte Institut durch eine private Stiftung, in dessen Beirat Repräsentanten bekannter deutscher Unternehmen sitzen .
Die Mitarbeiter sollen nicht mehr direkt von der Zeitarbeitsfirma rekrutiert werden sondern über eine Werkvertrags-Verleih-Firma, die wiederum diese Leute aus den Zeitarbeitsfirmen rekrutiert.
Es handelt sich also offenbar um eine Mogelpackung.
Arbeitsrechtler wittern Schein-Werkverträge, da bei Siemens in der ersten Schicht reguläre Arbeitskräfte und in der zweiten Schicht diese neuen Billiglohn- Kräfte eingesetzt werden.
Bei Kaufland ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits wegen des Verdachts auf Sozialversicherungsbetrug.
Statt 14 €uro erhalten diese Inhaber von Werkverträgen einer Werkvertrags-Firma nur 7,89 €uro Stundenlohn und somit nur etwa 60 Prozent des regulären Lohnes.