Progressive Spielautomaten erklärt: wie der Jackpot entsteht und was das für die Gewinnchance bedeutet
Die grosse Zahl auf dem Bildschirm ist kein Zuschuss des Anbieters, sondern die Summe vieler Einsätze. Das erklärt gleichzeitig, warum die ausgewiesene Quote sinkt.
Progressive Spielautomaten unterscheiden sich von gewöhnlichen Automaten in einem einzigen konstruktiven Punkt: ein Teil jedes Einsatzes wird abgezweigt und in einen gemeinsamen Topf gelegt, der weiterwächst, bis er einmal ausgeschüttet wird. Alles andere, was den Reiz dieser Automaten erklärt, folgt aus dieser einen Eigenschaft. Auch der Teil, über den seltener gesprochen wird.

Progressive Spielautomaten: der Jackpot als umgeleiteter Auszahlungsanteil
Jeder Automat hat einen theoretischen Auszahlungsanteil, also den Teil der Einsätze, der über einen langen Zeitraum an die Spielenden zurückgeht. Bei einem progressiven Automaten wird von diesem Anteil ein Stück abgezogen und in den Topf gelegt, typischerweise ein bis drei Prozent des Einsatzes. Der Betrag verschwindet nicht, er wird nur später und an eine einzige Person ausgezahlt statt laufend an viele.
Daraus folgt eine Konsequenz, die auf keinem Werbebild steht: die laufende Auszahlung eines progressiven Automaten ist niedriger als die eines vergleichbaren Automaten ohne Jackpot. Wer nicht auf den Topf spielt, spielt auf einen schlechteren Automaten. Wer auf den Topf spielt, spielt auf ein Ereignis mit einer sehr kleinen Wahrscheinlichkeit. Beides ist eine legitime Entscheidung, sie sollte nur bewusst getroffen werden.
Gewinnchance und Topfgrösse: lokal gegen netzweit
Ein lokaler Topf sammelt nur die Einsätze eines Anbieters. Er wächst langsam, bleibt kleiner und wird häufiger ausgeschüttet. Ein netzweiter Topf sammelt über viele Anbieter hinweg, weil derselbe Spielehersteller die Mechanik betreibt. Er wächst schnell, wird sehr gross und trifft entsprechend selten. Die Zahlen, die in der Werbung auftauchen, stammen fast immer aus netzweiten Töpfen. Progressive Jackpots dieser Art sind damit die sichtbarste und gleichzeitig die unwahrscheinlichste Variante.
Für die Gewinnchance heisst das: die Grösse des Topfes und die Chance darauf bewegen sich gegenläufig. Ein grosser Topf ist kein Hinweis darauf, dass eine Ausschüttung bevorsteht, sondern darauf, dass viele Einsätze eingezahlt wurden, ohne dass sie erfolgt ist. Die Vorstellung, ein lange nicht getroffener Jackpot sei fällig, beschreibt keine Eigenschaft des Automaten, sondern eine Eigenschaft der menschlichen Wahrnehmung. Eine Übersicht der Automaten mit den grössten Töpfen, etwa zu progressive Spielautomaten mit Mega Jackpot, sagt deshalb etwas über die Höhe aus und nichts über die Chance.
Die Bedingung, die am häufigsten übersehen wird
Bei einem Teil der progressiven Automaten ist der Topf nur ab einem Mindesteinsatz erreichbar, oder die Chance darauf steigt proportional zum Einsatz. Diese Bedingung steht in den Spielregeln des einzelnen Automaten und nicht in der Übersicht. Wer sie nicht kennt und mit einem geringeren Einsatz spielt, zahlt in einen Topf ein, den er selbst nicht gewinnen kann. Das ist der ungünstigste Fall überhaupt: niedrigere laufende Auszahlung, ohne die Gegenleistung der Chance.
Bei Spielautomaten mit Jackpot lohnt der Blick in die Regeln also mehr als bei jeder anderen Bauart. Deshalb ist die Prüfung der Spielregeln bei dieser Automatenart wichtiger als bei jeder anderen. Zwei Angaben genügen: ob ein Mindesteinsatz für den Topf besteht, und ob die ausgewiesene Quote den Jackpotanteil enthält oder nicht.
Die Anziehungskraft erklärt: warum die Beliebtheit trotzdem steigt
Die Anziehungskraft dieser Automaten liegt nicht in der Rechnung, sondern in der Grössenordnung. Ein Betrag, der eine Lebenssituation verändern würde, wirkt anders als eine geringfügig höhere laufende Auszahlung, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dahinter sehr klein ist. Dazu kommt die Sichtbarkeit: ein wachsender Zähler auf dem Bildschirm erzeugt eine Erwartung, die ein statischer Quotenwert nicht erzeugt.
Progressive Jackpots leben ausserdem von der gemeinsamen Erfahrung. Netzweite Töpfe werden von vielen Menschen gleichzeitig bespielt, und eine Ausschüttung ist eine Nachricht. Das erzeugt eine Aufmerksamkeit, die einzelne Automaten nicht haben. Wer die Mechanik dahinter kennt, kann diesen Reiz weiterhin geniessen und dabei wissen, was er kostet. Genau das ist der Zweck dieser Seite, nicht die Empfehlung für oder gegen eine Automatenart.
Wer die Gewinnchance bei progressive Spielautomaten in eine Zahl fassen will, findet sie selten veröffentlicht. Was bei Spielautomaten mit Jackpot veröffentlicht wird, ist der Betrag im Topf und die durchschnittliche Zeit zwischen zwei Ausschüttungen. Aus der zweiten Angabe lässt sich mehr ableiten als aus der ersten, und sie steht deutlich seltener dabei.
Häufige Fragen
Wie entsteht bei progressiven Spielautomaten der Jackpot?
Ein fester Anteil jedes Einsatzes fliesst nicht in die normale Auszahlung, sondern in einen gemeinsamen Topf. Dieser Anteil liegt meist im Bereich von einem bis drei Prozent und wird dem regulären Auszahlungsanteil entnommen.
Deshalb ist die ausgewiesene Quote bei einem progressiven Automaten in der Regel niedriger als bei einem vergleichbaren Automaten ohne Jackpot. Der Unterschied wandert in den Topf.
Was bedeutet netzweit gegenüber lokal?
Ein lokaler Jackpot sammelt nur die Einsätze eines Anbieters. Ein netzweiter Jackpot sammelt über viele Anbieter hinweg, weil derselbe Spielehersteller dahintersteht.
Netzweite Töpfe wachsen dadurch schneller und werden grösser, gleichzeitig sinkt die Chance auf den Treffer, weil mehr Teilnehmer denselben Topf bespielen.
Verändert ein höherer Einsatz die Gewinnchance auf den Jackpot?
Bei einem Teil der Automaten ja, weil der Jackpot erst ab einem Mindesteinsatz erreichbar ist oder die Chance proportional zum Einsatz steigt. Diese Bedingung steht in den Spielregeln des jeweiligen Automaten.
Wo eine solche Bedingung besteht und mit einem geringeren Einsatz gespielt wird, zahlt man in einen Topf ein, den man selbst nicht erreichen kann.
Ist die ausgewiesene Quote bei einem Jackpot-Automaten vergleichbar?
Nur mit Einschränkung. Manche Hersteller weisen die Quote einschliesslich des Jackpotanteils aus, andere ohne. Zwei Zahlen können deshalb dasselbe bedeuten oder zwei verschiedene Dinge.
Aussagekräftig ist der Vergleich nur innerhalb desselben Herstellers, oder wenn die Rechenweise ausdrücklich dabeisteht.
Wird ein Jackpot irgendwann ausgeschüttet, wenn er lange nicht getroffen wurde?
Nicht durch Zeitablauf. Jede Runde hat dieselbe Wahrscheinlichkeit, unabhängig davon, wie lange der Topf gewachsen ist. Ein grosser Topf bedeutet nur, dass viele Einsätze eingezahlt wurden, ohne dass er getroffen wurde.
Eine Ausnahme sind Automaten mit einer angekündigten Obergrenze, bei denen die Ausschüttung ab einem Betrag garantiert erfolgt. Das steht dann in den Spielregeln und ist die einzige Form, in der ein Topf tatsächlich fällig wird.
Wie erkenne ich, ob die Quote den Jackpotanteil enthält?
An den Angaben des Herstellers zum jeweiligen Automaten. Manche weisen die Quote einschliesslich des Jackpotanteils aus, manche ohne, und die Rechenweise steht nicht immer dabei.
Ohne diese Angabe ist ein Vergleich zwischen zwei Automaten verschiedener Hersteller nicht aussagekräftig. Innerhalb desselben Herstellers ist er es meist.
Was passiert mit dem Topf, wenn ein Automat abgeschaltet wird?
Bei netzweiten Töpfen wird der Betrag in der Regel auf andere Automaten des Netzes übertragen oder in einer angekündigten Runde ausgespielt. Die Vorgehensweise steht in den Netzbedingungen des Herstellers.
Bei lokalen Töpfen entscheidet der einzelne Anbieter, und die Regelung steht in dessen Bedingungen.
Sind Automaten mit Jackpot schlechter als solche ohne?
Nicht besser oder schlechter, sondern anders verteilt. Die laufende Auszahlung ist niedriger, dafür besteht die kleine Chance auf einen sehr grossen Betrag.
Wer auf den Topf nicht spielt, etwa unter einem geforderten Mindesteinsatz, hat allerdings nur den Nachteil ohne die Gegenleistung.